Wir schreiben das Jahr 2023. Die Velowelt hat sich nicht gänzlich verändert, bis auf ein paar 'un'nötige Innovationen. Zum Beispiel beschäftigt uns weiterhin die Laufraddebatte, wobei nun die 26-Zoll-Räder wohl definitiv in Vergessenheit geraten sind. Auch Überlegungen, den GrischaTrailRide zum e-Event umzugestalten, wurden von den Organisatoren bis auf einige Ausnahmen abgeschmettert. Auch der Vorschlag eines in Parpan ansässigen Bikeshopinhabers, die Region rund um den nördlichen Gardasee als weitere Destination zum GTR einzubinden, wurden nach kurzem Erwägen verworfen, obwohl die Verlockung des Dolce Vita schon sehr gross war.

Verstand steht wohl vor Vernunft, was dann auch erklärt, dass der namentlich nicht benannte Bikeshopbesitzer zu emotional auf jegliche Rennorganisationen reagieren würde und somit in der Werkstatt oder auf dem Bike eher zu Hause ist als in einem Renn-OK.

Im besagten Jahr findet der Start des GrischaTrailRides in Davos statt, was Rosanna's Motivation umso mehr beflügelt. Nichts desto trotz, sind die beiden Teilnehmer Matthias und Rosanna am Vorabend in Parpan, da in der Werkstatt der furcletta bike noch diverse Arbeiten anstehen. Auf den letzten Drücker – was grundsätzlich dem Motto vom GTR entspricht – werden sie am Info-Abend eintreffen. Die Gedanken der beiden – was die Freude und Passion dem Velofahren gegenüber angeht – gehen in die gleiche Richtung. Dies beschränkt sich allerdings auf den Tagesablauf beim Biken und nicht auf das, was vorher und nachher stattfindet:

Für Matthias ist klar – gestartet wird so früh wie möglich, um als erster im Zielgelände zu sein und direkt den Werkstattbus in Betrieb zu nehmen. Zu einem erfüllten Tag gehört neben dem Biken auch das Schrauben und ausgedehntes Fachgesimpel mit Gleichgesinnten über jegliche Komponenten an Zweirädern.

Das wohlverdiente und unverzichtbare Velosophen-Bier regt die Diskussion noch mehr an. Vor lauter Reparaturen und ausführlichen Gesprächen, wird die Zeit dann aber sicher knapp fürs Essen. Trotzdem, feste Verpflegung muss sein und anschliessend geht’s im Eiltempo ans Briefing und die Planung vom nächsten Tag. Kurz – Biken, Schrauben, fachsimpeln und dies möglichst ausgeprägt.

Rosanna’s Überlegungen gehen in eine etwas andere Richtung. Der Start könnte etwas später erfolgen – so bleibt Zeit einen Kaffee zu trinken und ausgiebig zu frühstücken, Körper und Geist sollen für den Tag gewappnet sein. Die Aussicht auf den währschaften Verpflegungsstand, lässt zumindest gefühlsmässig den frühest möglichen Start zu. Nach 6 Stunden auf dem Bike, einigen Höhenmetern rauf und runter, Bahnfahrten und der pünktlichen Einfahrt, beginnt der entspannte Teil vom Tag. Neben dem Werkstattbus werden ein paar Liegestühle aufgestellt, einer wird von Rosanna in Beschlag genommen. Während Matthias voller Enthusiasmus die Bikes von den Teilnehmern auf Vordermann bringt, sitzen jene auf den Liegestuhl, welche dem Mech die Arbeit überlassen und selber die Beine hochlagern möchten. Auch hier gehört das Velosophen-Bier dazu, nur dreht sich das Gespräch nicht um Zweiräder sondern es wird über Gott und die Welt geplaudert. Manches Gespräch wird persönlicher, und die gute Zuhörerin wird fast schon zur tiefgründigen «Psychologin». «Der Platz wird sich leeren, Matthias wird sich jetzt dann mal von seinen Bikes abwenden und sich mehr meinen Bedürfnissen zuwenden», denkt sich Rosanna. Doch dem ist nicht so. Die Hartgesottenen bleiben vor Ort, es wird weiter geschraubt, diskutiert und Musik gehört. «Ja, so ist er halt! Und eigentlich macht mir das ganze ja auch Spass»! Mit diesen besänftigenden Gedanken geht es langsam in Richtung Briefing des nächsten Biketages. Vorfreude, Hunger und Müdigkeit vermischen sich nun. Doch dieser Kerl lässt sich auch nach dem Briefing nicht allzu schnell von den «interessanten» Gesprächen losreissen. So wird die Nacht dann kürzer als angedacht.

Am Ende ist es genau das, was den GrischaTrailRide einzigartig und speziell macht. Man lässt sich inspirieren von den Gedanken der Rennkämpfe, die auch in Strassengräben enden können, geniesst die Trail-Perlen dreier Top Mountainbike Destinationen, ungeachtet der Punktezahl am Ende des Tages und erfreut sich über die tolle Stimmung im Zielgelände am Abend und im Startgelände am Morgen.